Spix-Ara-Tagung auf Teneriffa

Ein Bericht über die Spix-Ara-Tagung auf Teneriffa von Thomas ARNDT. In der Mitgliederinformation der ZGAP im Oktober 1987 erschienen

Nachdem im Jahre 1986 die ersten Meldungen über die katastrophale Situation des Spix-Aras weltweit Aufsehen erregt und diverse Diskussionen ausgelöst hatten, wurde allen interessierten Naturschutzorganisationen, einigen Haltern und Zoologischen Gärten bald klar, dass die ersten Schritte zur Erhaltung dieser Papageienart sowohl im Freiland als auch in Gefangenschaft bald eingeleitet werden müssten.

Angeregt durch die Zoologische Gesellschaft für Arten-und Populationsschutz hatten die ICBP und die New Yorker Zoological Society bereits in Juli mit den ersen Vorarbeiten für eine Spix-Ara-Tagung auf Teneriffa begonnen. Aus terminlichen Gründen mußte das Treffen dann aber auf den 17. und 18. August verschoben werden.

Der Direktor des Loro Parques, Wolfgang Kiessling, erklärte sich bereit, die Tagung auszurichten und – und was besonders Erwähnung bedarf, weil es nicht selbstverständlich ist – die Kosten für einen Teil der Teilnehmer zu übernehmen.     

Kurz vor Tagungsbeginn stellte sich leider heraus, dass ein Erfolg fragwürdig sein könnte da etliche der bislang bekannten Spix-Ara-Halter aus verschiedenen Gründen ihre Teilnahme absagten.  Anwesend waren schließlich bei Tagungsbeginn Wolfgang Kiessling (Loro Parque, Teneriffa), Rosemary Low (Loro Parque, Teneriffa), Nigel Collar (ICBP, Grossbritannien), Ulysses Seal (IUCN, USA), Thomas Arndt (Zoologische Gesellschaft für Arten- und Populationsschutz, Deutschland), Luis Pedreira Gonzaga (Brasilien), Pedro Scherer Neto (Brasilien), Carlos Keller (Brasilien) und Paolo Mambelli (Italien).

Nach einer kurzen ersten Besichtigung des Loro Parque begann die Tagung schließlich am Montag morgen mit einer Begrüßung der Teilnehmer durch Wolfgang Kiessling und Nigel Collar, dem stellvertretenden Direktor des ICBP.Die anschliessenden Gespräche beinhalteten neben der Zielsetzung des Treffens vor allem die jüngsten Informationen über den Freilandstatus der Art, wozu u.a Carlos Keller ein Arbeitspapier vorbereitet hatte. Insgesamt war man einig, dass entgegen erster Befürchtung des letzten Jahres noch zumindest eine weitere Freilandpopulation in Brasilien existieren müßte,diese aber mit Sicherheit klein ist und offensichtlich bereits von einheimischen Fängern bedroht wird, da in den letzten Monaten immer wieder Jungtiere auf dem illegalen Markt in Brasilien und Europa angeboten worden waren.

Eine Auflistung der zweifelfrei bekannten Spix-Aras in Gefangenschaft erbrachte ein deprimierendes Ergebnis: Insgesamt kennt man außerhalb Brasiliens lediglich 10 Tiere, in Brasilien selbst existieren möglicherweise nur noch 14, wovon aber 7 illegal gehalten werden und ihr Einbezug in ein Zuchtprogramm vorerst fragwürdig erscheint.Eine Legalisierung der zuletzt-genannten Aras wäre nach Meinung der anwesenden brasilianischen Vertreter zwar u.U möglich, aber mit Nachteilen für die Besitzer verbunden, auf die sich diese kaum einlassen werden.

Am Nachmittag sowie amVormittag des zweiten Tages wurde schließlich unter Federführung von Ulysses Seal, dem Chairman der Captive Breeding Specialist Group IUCN/SSC, ein Spix-Ara-Papier erarbeitet und diskutiert, dessen wichtigste Punkte im folgenden zusammenfassend aufgelistet sind:

1.      Vereinbarung 

Die Teilnehmer der Tagung sind sich zusammen mit anderen Experten darüber einig, dass die momentan bekannte Freilandpopulation des Spix-Aras Cyanopsitta spixii lediglich drei Vögel umfaßt. Obwohl weitere Populationen existieren könnten, sind sie der Überzeugung, dass sofort mit einem Gefangenschaftsprogramm zum Erhalt dieser stark bedrohten Art begonnen werden muß.

Das Ziel des Programmes ist es, 90% der genetischen Vielfalt der Ausgangstiere über 200 Jahre hinweg zu erhalten. Hierzu ist ein Minimum von 10 Tieren notwendig, die zu einer stabilen Gefangenschaftspopulation von 80 bis 100 Brutpaaren ausgebaut werden muß. Jegliche Anstrengung muß unternommen werden, dieses Ziel in möglichst wenigen Generationen zu erreichen.

Der Zweck für Vereinbarung ist es, die notwendigen Maßnahmen zum Erhalt der Art zu ergreifen, um langfristig eine Grundlage für den Bestand und Schutz der Art in Brasilien zu gewährleisten.

2.      Empfehlungen

-          alle Gefangenschaftstiere sollen innerhalb der nächsten 6 Monate endoskopiert werden

-          dem Zuchtbuchführer soll ein Bericht über den jeweiligen Zustand, das Geschlecht usw. zugeleitet werden  

-          alle Vögel sollen mit einem Ring gekennzeichnet werden, der nach Möglichkeit mit einer Zuchtbuchnummer versehen ist

-          es soll ein Konsortium, bestehend aus den Haltern sowie jeweils einem Vertreter des ICBP, CBSG SSC/IUCN und der brasilianischen Regierung, gebildet werden, das die Gefangenschaftspopulation verwaltet            

-          die Mitglieder des Konsortiums sollen einen Vertrag unterzeichnen,  mit dem sie den Zielen und Maßnahmen des Gefangenschaftsprogrammes zustimmen. Hierzu gehören auch die Bereitschaft, spätere Nachzuchttiere nicht zu veräußern, sie unter die Verfügungsgewalt des Konsortiums zu stellen, sich einmal jährlich zu treffen, die notwendigen wissenschaftlichen Maßnahmen zum Erhalt der Gefangenschaftspopulation zu treffen oder Jungtiere zur Wiedereinbürgerung zur Verfügung zu stellen, wenn dies der Tierbestand in Gefangenschaft und die Situation im Freiland erlauben

-          die Studien zum Status der Art im Freiland sollen fortgesetzt werden

-          hieraus ergebend sollen Reservate eingerichtet werden, die eine Mindestpopulation von 500 Tiere im Freiland sichern

3.      Der ICBP und die  IUCN werden beauftragt für die Erhaltung des Spix-Aras anzustreben, die Unterstützung der brasilianischen Regierung und den Eintritt der Halter in dieses Konsortium zu erlangen. 

Unterschrieben wurde dieses Dokument von allen Anwesenden,wovon in diesem Moment sicher die Unterschrift von Wolfgang Kiessling als Besitzer eines Paares Spix-Aras die bedeutendste war. In einer sich anschließenden Pressekonferenz wurde die Tagung und ihr Ergebnis erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt, den Abschluß bildete ein Essen bei D. Pedro Duque, dem brasilianischen Konsul auf Teneriffa, der zusagte, sich beim Botschafter Brasiliens für das Zuchtprojekt zu verwenden.

Anzumerken wäre noch,dass W.Kiessling zusagte, seine im Loro Parque angestellte Tierärztin zwecks Endoskopie der brasilianischen Spix-Aras auf seine Kosten nach Brasilien zu senden, und dass die Kuratorin des Loro Parques, Rosemary Low, sich bereit erklärte, das internationale Zuchtbuch zu führen.

Wenn auch die Tagung darunter litt, dass die meisten Besitzer von Spix-Aras fehlten, so war sie insgesamt doch ein beachtlicher Erfolg – wurde doch nach relativ kurzer Zeit bereits der erste wichtige Schritt in Richtung Erhalt dieser extrem gefährdeten Art getan. Einige der bekannten Besitzer und Institutionen haben zudem ihre Zustimmung signalisert, und bislang noch unbekannte Halter von Spix-Aras werden sich jetzt zumindest überlegen müssen, ob sie ihre Tiere nicht besser dem Projekt zuführen oder für die Zukunft das Risiko eingehen, Tiere zu besitzen, die nicht mehr legalisert werden können.

Gleichzeitig kann das Projekt richtungsweisend sein – arbeiten hier doch erstmals überhaupt in einem Gefangenschaftszuchtprogramm die großen internationalen Naturschutzorganisationen mit Privathaltern zusammen – ein Schritt, der für die Zukunft sicher immer notwendiger sein wird. 

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( If you drive out nature with a pitchfork, she will soon find a way back)

Horace (65-8 BC)