SPIX-ARA (Cyanopsitta spixii).

Ein Bericht von Anton Sojer an die Mitgliedschaft der ZGAP im März, 1989

Wir möchten Sie mit diesem Bericht über den Fortgang des Projektes informieren, das wir seit Juli 1986 verfolgen und in Anbetracht unserer verschiedenen Möglichkeiten mit doch ganz erheblichen Mitteln unterstützen.

An dieser Stelle wollen wir, auch wenn der Spender dies nicht gerne sieht, Herrn Dr.Hans Strunden für sein finanzielles Engagement danken. Das Budget der Zoologischen Gesellschaft für das Projekt „Spix-Ara“ wurde fast zur Gänze von ihm getragen. Vielleicht sollten sich noch mehr „Papageienliebhaber“ einmal Gedanken darüber machen, ob das Thema Papageien nur dann faszinierend sein kann, wenn mit viel Geld versucht wird, die „Briefmarkensammlung“ zu vervollständigen, oder ob es nicht sinnvoller ist, eventuell „überzählige“ Mittel für den Schutz dieser Tiere einzusetzen.

Wie wir dem vorläufigen Schlußbericht von Dr.Roth, der im September 1988 nach Europe zurückgekehrt ist, entnehmen können, haben wir es im Falle des Spix-Aras auch weiterhin mit diesen „Briefmarkensammlern“ zu tun. Die Abbildung in diesem Bericht, die die verbleibenden 3 Exemplare der Curaçá-Population zeigt, ist möglicherweise die letzte Aufnahme dieser Papageien in Freiheit, denn im Dezember 1987 und Januar 1988 wurden auch diese Spix-Aras im Auftrag eines Händlers aus Petrolina eingefangen.

Der beauftragte Fänger wurde, da man wohl mit Widerstand durch die Bewohner des Gebietes rechnete (wir haben bis Mai 1987 in diesem Gebiet die Bewachung der Tiere finanziert), von mehreren bewaffneten Männern begleitet.

 

Die Hoffnungen, weitere Populationen zu finden, haben sich auf mehreren Reisen Dr. Roths leider nicht erfüllt. Zum einem haben sich verschiedene Sichtmeldungen als Verwechslungen mit zumindest auf weitere Entfernung ähnlich aussehenden Arten wie Ara manilata, Ara maracana, herausgestellt, zum anderen wurde Dr. Roth bei seinen Recherchen bewußt mit falschen Informationen versorgt.

Aus heutiger Sicht wurde der entscheidende Hinweis auf die nun erloschene Curaçá-Population, der von einem Tierhändler stammte, nur deshalb gegeben, um von „besseren“ Vorkommen abzulenken.

Neben diesem Indiz sprechen auch noch andere Punkte für ein Vorhandensein weiterer Populationen. Wenn auch nur ein Teil der Sichtmeldungen tatsächlich zutreffend ist, umfaßt das mögliche Gesamtverbreitungsgebiet des Spix-Aras ein Gebiet von 300,000 km² (zum Vergleich: BRD ca. 248,000 km²), wovon etwa 80,000 km² dem Vegetationstyp des Curaçá-Gebietes entsprechen. Die Region ist nur dünn besiedelt und kaum erschloßen. Der Lebensraum des Spix-Aras ist also noch intakt. Weitere Vorkommen in geringer Dichte sind unter diesen Umständen wahrscheinlich.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs,der zeigt, dass auch Naturschutzorganisationen die Weisheit nicht gepachtet haben. Als es darum ging, für das Projekt einen Geländewagen zu finanzieren, wandten wir uns an eine große deutsche Organisation. Unsere Bitte wurde mit dem Hinweis, dass man künftig nur noch „Biotopschutz“ betreiben wolle, abgeschmettert. Der Schutz bedrohter Arten in einem intakten Lebensraum ist wohl nicht mehr vorgesehen. Letztlich hat sich dann eine andere Organisation (WWF-USA) bereit erklärt, diese Kosten zu übernehmen. Der Geländewagen wird seit der Rückkehr von Dr.Roth in Brasilien für das Projekt „Lears-Ara“ verwendet.

Ein zusätzlicher Hinweis auf weitere Vorkommen des Spix-Aras sind die immer wieder auftauchenden Angebote. Mann kann natürlich davon ausgehen, dass die Mehrzahl dieser Angebote von Wichtigtuern in die Welt gesetzt werden, oder nur deshalb, um den Markt zu testen. Unter den Anbietern sind jedoch auch Händler, die in früheren Zeiten die Tiere tatsächlich beschafft haben und in diesen Kreisen sicherlich nur „seriöse“ Angebote machen. Die beiden Jungvögel, die 1988 in Paraguay beschlagnahmt wurden, lieferte ein Händler aus Curitiba. Diese Spix-Aras kommen nach Lage der Dinge aus einem weiteren Vorkommensgebiet, das bisher nur den illegalen Fängern und Händlern bekannt ist. Um hier nicht wieder wie bei der Curaçá-Population das Rennen zu verlieren, ist es dringend erforderlich, die Suche von Seiten des Naturschutzes wesentlich zu intensivieren. Ein „Einmann-Unternehmen“ wie Roth ist bei Preisen, die mittlerweile bei 60,000 DM für ein Paar liegen dürften, absolut chancenlos.

Die Koordination des Projektes liegt mittlerweile in den Händen des ICBP (International Council for Bird Preservation) und genießt dort höchste Priorität. Wenn es gelingt, im internationalen Verbund Mittel aufzubringen, wie sie z.B, für das Schutzprojekt „Kaiseramazone“ bereits zur Verfügung stehen, hat der Naturschutz eine reelle Chance. Sollte dies nicht gelingen, bleibt nur noch übrig, das Klagelied über Kuba-Ara, Karolina-Sittich, Paradiessittich um eine Strophe zu ergänzen.

Neben den Bemühungen, die Art in Freiheit zu erhalten, haben wir uns seit 1986 auch für ein Zuchtprojekt des Spix-Aras in Gefangenschaft eingesetzt.Wie in unserer Ausgabe Oktober 1987 berichtet, fand im Loro-Parque Teneriffa, eine entsprechende Tagung statt. Obwohl zunächst das Ergebnis dieses Treffens von Aussenstehenden belächelt wurde, da nur ein Halter von Spix-Aras, Herr W. Kiessling, der Eigentümer des Loro Parque, teilgenommen hat,kann sich das jetzt vorliegende Ergebnis sehen lassen. Alle ausserhalb Brasiliens befindlichen Vögel wurden mittlerweile zu den von U.Seal (IUCN – International Union for Conservation of Nature) vorgeschlagenen Bedingungen in das Projekt eingebracht. Dies sind: A.M. de Dios, Queyon 6 Vögel (davon 2 dort 1988 gezüchtet), Loro Parque Teneriffa 2 Vögel, Vogelpark Walsrode 1 Vogel.

Weitere Exemplare, die 1986/1987 noch vorhanden waren, sind in der Zwischenzeit gestorben (z.B Zoo Neapel). In einigen Fällen hat sich herausgestellt, dass die vermuteten Bestände nie existierten (y.B 4 Vögel im „Privatzoo“ Titos).

Die Situation der in Brasilien gehaltenen Spix-Aras ist leider nicht sehr gut. Derzeit sind es wohl nur noch etwas 10 Exemplare.   

Bisher hat sich leider keiner der dortigen Halter bereit erklärt, an dem Projekt teilzunehmen. Somit stehen nur 9 Vögel für den Aufbau einer Gefangenschaftspopulation zur Verfügung, bei denen überdies befürchtet werden muss, dass einige der Tiere eng verwandt sind. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, das Schutzprojekt in Freiheit fortzusetzen, da nur so ein Überleben dieser Art möglich sein wird.

Sollten Sie weitere Details interessieren, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Darüber hinaus stellen wir auch Kontakte zum ICBP her, der dieses Projekt jetzt federführend betreut. 

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 " Naturam expellas furca, tamen usque recurret "

( If you drive out nature with a pitchfork, she will soon find a way back)

Horace (65-8 BC)